Dienstag, 13. November 2012

Erinnerungen an die Hamburger Stülcken Werft (1846 – 1967)

Stapellauf eines Frachters © Uwe Dübel
Im Keller meiner Eltern bin ich kürzlich auf alte Fotos meines Vaters gestoßen. Die Bilder stammen aus seiner Berufszeit bei H. C. Stülcken Sohn. Einige der Bilder sind so interessant das wir sie an dieser Stelle zeigen wollen. In den 1960er-Jahren wurde die Werft geschlossen.

Bis zur ihrer Schließung in den 1960er-Jahren war die Stülcken Werft neben Blohm + Voss, der ehemaligen Deutschen Werft in Finkenwerder und einige anderen Werften eines der Aushängeschilder für den Hamburger Schiffbau. Gegründet wurde das Unternehmen H. C. Stülcken 1846 von Heinrich Christopher Stülcken im Hamburger Hafen.

1846 mietete Heinrich Christopher Stülcken ein Gelände im Hafen für eine Segelschiffwerft. Der Vater des Firmengründers war bereits seit dem Jahr 1833 als Schiffbauer in Altona und anderen Hamburger Orten tätig, wodurch sich die Familie Stülcken bereits sehr früh einen guten Ruf erarbeitete. Stülcken war ein Markenzeichen für Qualität im Hamburger Schiffbau.

Und so dauerte es auch nicht besonders lange, bis die 1846 gegründete Stülcken-Werft 1953 mit der Bark „Hermann“ das erste Schiff baute. 1858 baute die Stülcken-Werft ein hölzernes Schwimmdock, das erste in Hamburg, dass bis 1911 im Betrieb war. In den Folgejahren vergrößerte sich das Werft-Gelände erheblich, was durch den Bau von Eisenschiffen ab 1876 beschleunigt wurde.

Die Werft profitierte vom Krieg

Zerstörer © Uwe Dübel
Bereits 1873 verstarb der Firmengründer H. C. Stülcken, danach führte die Witwe des Schiffsbauers das bereits sehr große Unternehmen weiter. Der Sohn Julius Cäsar Stülcken übernahm nach dem Tod seiner Mutter den Betrieb. Die Stülcken-Werft war um 1914 mit 895 Beschäftigten einer der größten Hamburger Werften. 1925 verstarb Cäsar Stülcken, dem der neue Werftname „H. C. Stülcken Sohn“ zu verdanken war.

Nach dem Tode von Julius Cäsar Stülcken übernahm Heinrich von Dietlein, Enkel des Firmengründers, das Unternehmen. Im Zweiten Weltkrieg profitierte die Werft vom Rüstungsprogramm wodurch eine Modernisierung des Werftgeländes 1939 ermöglicht wurde. Dabei wurde auch eine über 230 Meter lange Kabelkrananlage gebaut, deren beiden Gerüste jahrelang ein Wahrzeichen des Hafen waren (rechts auf dem zweiten Foto zu sehen).

Ab 1940 wurde mit dem Bau von U-Booten des Typs VII C begonnen. Von 1941 bis 1944 wurden 24 U-Boote ausgeliefert. Im Jahr 1944 war die Stülcken-Werft alleiniger Hersteller des Mehrzweckbootes 1943. Auch auf dieser Hamburger Werft kamen insbesondere zum Ende des Nationalsozialismus zunehmend Kriegsgefangene zum Einsatz.

Berühmtheit durch Stülcken-Schwergutbaum

Da der Hamburger Hafen während der Luftangriffe auf Hamburg ein beliebtes Ziel der Piloten war, wurde das Werftgelände 1943, 1944 und 1945 schwer getroffen. Durch die letzten Angriffe war kein Weiterbetrieb mehr möglich. Nach dem Krieg wurde sie Stülcken-Werft neu aufgebaut. Berühmtheit erlangte das Unternehmen durch den sogenannten Stülcken-Schwergutbaum.

Die Besonderheit des Stülcken-Schwergutbaums war, dass man man durch diese Entwicklung auf den Einsatz eines gewöhnlichen Hafenkrans verzichten konnte. H. C. Stülcken Sohn nahm durch den Bau dieses Baums eine zentrale Bedeutung beim seeseitigen Schwertransport ein. Noch heute sind auch vielen Stück- und Schwergutschiffen Stülcken-Schwergutbäume zu finden.

Führende Werft für Überwasserkampfschiffe

In den 1950er-Jahren baute H. C. Stülcken Sohn im Auftrag der Bundesmarine Zerstörer der Klasse 101/101A (Hamburg-Klasse), darunter auch den Zerstörer „Schleswig-Holstein (D 182)“ (Abbildung Foto). Auch die Fregatte 120 (Köln-Klasse) und der Minentransporter der Sachsenwald-Klasse wurde bei Stülcken gebaut. Die Werft war führend beim Bau von Überwasserkampfschiffen.

Zerstörer Hamburg-Klasse © Uwe Dübel
In den 1960er-Jahren ging die Auftragslage zurück. 1966 wurde H. C. Stülcken Sohn von Blohm + Voss übernommen und somit auch alle Mitarbeiter (wie mein Vater bestätigte). Alle begonnenen Neubauten der wurden von Blohm + Voss fertiggestellt. Ab 1967 wurde die Werftanlage demontiert.

Heute erinnert leider nichts mehr an das ehemaligen Werftgelände. Das Areal wurde 1988 an die Stadt Hamburg zurückgegeben und planiert. Bis ins Jahr 1991 wurde der Boden ausgetauscht wegen der hohen Belastungen durch Öl und Schadstoffen. Heute befindet sich auf einem Teil des ehemaligen Werftgeländes das Musical-Zelt („König der Löwen“). 

Danke!

Danksagung: An meinen Vater Otto Rasch und seine spannenden Geschichten über den Alltag auf einer Schiffswerft. Aber auch Danke an seinen Kumpel Uwe Dübel der nach Amerika auswanderte und zuvor viele Jahre im Leben meines Vaters auf Fotos dokumentierte. Auch Danke an Wikipedia und die vielen weiteren Quellen im Internet, die ihre Informationen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. (fr)

Kommentare:

  1. Danke für die Information, mein Großvater sollte sich 1949 in der Werft vorstellen, als Werkzeugmacher.

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  2. Hallo, sind in deinem Fundus vielleicht noch Bilder von einem der Hamburg-Klasse Zerstörer wo man hinten die Propeller im Baudock sehen kann. Ich suche solche Bilder da an den Schiffen nur kurze Zeit 3 flügliege Propeller waren.

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  3. Moin Moin!

    Das ist durchaus möglich. Am besten ist Sie kontaktieren mich mal per E-Mail (frasch25@googlemail.com). Ich werde schauen sobald ich etwas Zeit finde und notfalls die Bestände bei meinem Papa durchschauen. Der hat noch einige mehr. :-)

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  4. Hallo, habe silberne Kiste mit Foto der Stülckenwerft

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  5. Hallo. Das ist super. Wenn Sie zu mir Kontakt aufnehmen frasch25@googlemail.com, dann könnte ich versuchen zu vermitteln, so das Volker Buske die Möglichkeit hat man in der Kiste zu stöbern. Gruß

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