Die Anfänge des Judentums in Deutschland waren für viele jüdische Gemeinden nicht einfach. So durften Juden laut dem sogenannten Judenreglement von 1710 keine Grundstücke in Deutschland pachten, sofern diese zur „Exercirung Ihrer Relegion und Haltung ihrer Zusammenkünfte“ dienen sollten. Erst im Jahr 1842 wurde die Beschränkungen hinsichtlich der Wohnungsbefugnis aufgehoben.
Nur wenige Monate nach dem Großen Hamburger Brand von 1842, der den gesamten Stadtkern in Asche legte, erwarb die jüdische Gemeinde zwei zur Bebauung geeignete Grundstücke in der Poolstraße. Schon kurze Zeit später erfolgte die Grundsteinlegung für den von einem christlichen Architekten entworfenen dreischiffigen basikalen Bau. Bereits im September 1844 wurde der Tempel feierlich eröffnet.
Bei der feierlichen Einweihung des Insraelischen Tempels blickten 350 Männer und 290 Frauen von ihren Sitzplätzen auf ein an der Ostwand befidliches Pult. Obwohl sich diese Raumaufteilung schon bei anderen jüdischer Gotteshäusern durchgesetzt hatten, waren nicht alle damit glücklich. Streng konserative Juden störten sich allerdings daran, dass Frauen und Männer das Gebäude durch den gleichen Eingang betraten.
In den Augen der Orthodoxie war das neue „Heiligtum“, der Tempel in der Poolstraße, zum gemeinsamen Gebet nicht nur ungeeignet, sondern völlig untauglich. Der Tempel wurde zunehmend weniger genutzt. In der Obertraße in Harvestehude wurde 1931 ein neuer Tempel eröffnet und in der Poolstraße fanden keine Gottesdienste mehr statt. 1937 wurde der Tempel verkauft und 1943/44 bei Bombenangriffen stark zerstört.
Nach dem Krieg ist der Tempel in der Poolstraße scheinbar in Vergessenheit geraten. Die Stiftung Denkmalpflege hat jetzt eine neue Publikation zu diesem bedeutenden Bauwerk herausgebracht. „Der Israelitische Tempel in Hamburg“ erschien als Band Nr. 7 der Reihe „Archiv aus Stein“ in gemeinsamer Herausgeberschaft von Stiftung Denkmalpflege Hamburg und dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden.
Information zur Publikation unter...
ISBN 978-3-936406-63-4
| Der Israelische Tempel in der Poolstraße. © Frank Rasch |

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